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  • Vorfreude auf ein ereignisreiches Veranstaltungsjahr

    Das Kulturzentrum Faust stellt sein Jahresprogramm vor

Luna Jurado (Geschäftsführerin des Kulturzentrums Faust), Theresa Charif (KiezKultur Hannover e.V.), Tronicat La Miez (Burlesque-Künstlerin) sowie Harro Schmidt (Kurator der Kunsthalle Faust) gaben eine Vorschau auf die für 2022 geplanten Veranstaltungen im Kulturzentrum Faust. Pressesprecher Jörg Smotlacha leitete das Gespräch.

Die Suche nach Möglichkeiten und Lösungen

Faust-Geschäftsführerin Luna Jurado blickt zurück auf ihr erstes Amtsjahr und berichtet über Veränderungen im Betrieb. Jurado ist seit knapp einem Jahr die Geschäftsführerin des Kulturzentrums Faust, arbeitet dort aber bereits seit neun Jahren. Ihre neue Amtszeit fiel mitten in die Corona-Pandemie, so dass, wie sie sagte, zunächst “gar nichts mehr ging”. Bei der Faust konzentrierten sich das Kollegium auf Möglichkeiten und Lösungen. Daher schauten alle auf die Anfänge des Kulturzentrums, auf die ursprünglichen Ziele und auch auf lange gehegte Pläne.

Was konnte entwickelt werden, was verbessert? Wie konnte man die vorhandenen Räume neu oder anders nutzen?

Während des vergangenen Jahres intensivierte die Faust den Ausbau digitaler Angebote wie Faust-TV und die Zusammenarbeit mit weiteren Kultureinrichtungen, wie zum Beispiel den Stadtteilzentren, dem Musikzentrum, dem Kulturzentrum Pavillon und der Glocksee. Es gab in mehreren Hallen große Umbau- und Renovierungsarbeiten, wie eine neue Bühne, neue Lüftungsanlagen, Musik-Boxen, Lichtanlagen. Zudem wurden die Konzepte für Veranstaltungen neu gedacht, sie sind jetzt sehr zielgruppengerichtet; es geht um mehr Diversität, Gender-Equality und den Einsatz von Awareness-Konzepten. Vor kurzem wurde die erste Türsteherin für die Security eingestellt.

Die Mitarbeiterinnen der Faust konnten ab August 2021 aus der Kurzarbeit heraus. Es ist dem Kulturzentrum gelungen, mehrere Projekte mit Finanzvolumen zu bekommen, an deren Umsetzung mit Hochdruck gearbeitet wird.

Beyond Cabaret

Luna Jurado berichte darüber, wie angenehm überrascht alle waren, was in der 60er-Jahre-Halle alles möglich ist. Dort, wo vor der Pandemie hauptsächlich Konzerte und Partys stattgefunden haben, war jetzt ein Raum für das Burlesque-Dinner-Varieté “Velvet Moon”. Es folgt das neue Burlesque-Drag-Artistic-Dinner-Varieté “Beyond Cabaret” (17. August bis 4. September 2022). Die Künstlerin und Regisseurin dieses Varietés, Tronicat La Miez, berichtete von der vorherigen Show und verriet das Oberthema der neuen. Tronicat erklärte, dass sie die Kunstform des Burlesque-Theaters deshalb so schätzt, weil dieses “klassisch und modern” sein könne und “keine Grenzen” kenne, wenn es um Gender und Kreativität gehe. In der neuen Bühnenshow, in deren Zentrum es um “Punk & Queer Identity” geht, möchte die Künstlerin einen Blick “weg von heteronormativen Vorstellungen” und eine Gelegenheit, den Horizont zu erweitern, bieten. In der Show seien einige non-binäre Künstler*innen vertreten. Es wird erneut eine Varieté-Vorstellung in Verbindung mit einem Drei-Gänge-Menü geben, von Fleisch über vegetarische und vegane Speisen reicht das Angebot. Es gibt Platz für 87 Gäste. Die vorherige Show hatte eine enorme Reichweite. Das Publikum reiste aus Berlin, Hamburg, den Niederlanden, und aus Belgien an. Das möchte Tronicat gerne wiederholen.

Das KiezKultur-Festival

Theresa Charif berichtete über die Arbeit des vor zwei Jahren entstandenen, gemeinnützigen Vereins KiezKultur Hannover e.V. Ziel des Vereins ist es, Kunst und Kultur in Hannover zu fördern und die überregionale Relevanz der Kulturbranche Hannovers sichtbar zu machen. Es geht um die nachhaltige Förderung von Nachwuchstalenten “auf und hinter den Bühnen”. Am 21. und 22. Oktober 2022 wird in Hannover-Linden ein Festival stattfinden, das aus einer Kombination aus Konferenzprogramm und Live-Musik-Konzerten besteht. Das Kulturzentrum Faust wird Festival-Zentrum, mit dabei sind aber auch viele weitere Clubs aus dem Stadtteil, so zum Beispiel die Glocksee und die Safran-Bar. Der Schwerpunkt liegt auf Populärmusik, regionale Acts werden im Line-Up ebenso großgeschrieben wie das Thema Diversität. Es soll sich ausdrücklich um ein Festival für die hiesige Musikszene und ein vielseitiges Publikum aus der gesamten Stadtgesellschaft handeln, nicht um ein Treffen der Musikbranche.

Punk in Drublic

Nachdem das Festival auf Grund der Corona-Pandemie im letzten Jahr nicht stattfinden konnte, ist es nun endlich so weit: Bandgrößen wie NOFX, Pennywise, Talco und Me First and The Gimme Gimmes treten auf der Faust-Wiese auf. Auch der Ausschank von Getränken ist wieder möglich. Die ursprünglich verkauften fünftausend Karten behalten ihre Gültigkeit und es wurde durch die Stadt Hannover genehmigt, dass es weitere zweitausend Tickets im Vorverkauf geben wird. Es handelt sich hier um ein sehr großes Projekt, für das mehrere verschiedene Veranstaltungs-, Hygiene- und –Sicherheitskonzepte erarbeitet wurden. So sollen die zu erwartenden Besucherströme am Wohngebiet vorbei geleitet werden, es wird zwei gesonderte Eingänge geben und eine große Anzahl von Ordner*innen, um die Besucher*innen auf den richtigen Weg zu leiten. Der Vorverkauf läuft und es sind noch einige hundert Tickets zu bekommen.

Oil – Blood – Liberty

Harro Schmidt, Kurator der Kunsthalle Faust, wird mit seinem Team am 13. Mai eine Ausstellung mit ukrainischen Künstler*innen eröffnen. Gezeigt wird Krypto-Art, digitale Kunst aus der in der Ukraine bereits etablierten NFT-Kunstszene (Non-fungible tokens – eine nicht zu kopierende oder zu fälschende Kennung). Jüngere Künstler*innen zeigen multimediale Arbeiten, virtuelle Welten, digitale Grafiken und Collagen. Das Thema der Ausstellung bezieht sich auf das aktuelle Weltgeschehen. Einige der Werke können über Krypto-Währung erworben werden. Ein Teil der Erlöse geht an die Ukraine-Nothilfe. Für die Ausstellung werden noch Sponsoren gesucht. Schirmherrin ist Bettina Wulff; es wird zugunsten des Notruf Miriam eine Performance vor dem Kesselhaus Linden geben.

Das Internationale 1.Mai-Fest – eine Utopie des Zusammenlebens

Nach zwei Jahren kann das 1.Mai-Fest endlich wieder stattfinden! Es sind zahlreiche Akteur*innen aus Kunst und Kultur vertreten. Das Line-Up wird in Kürze bekanntgegeben! Es dürfen bis zu 7.000 Besucher*innen auf das Gelände. Wichtig sind der Faust und ihrem Team die für das Internationale 1.Mai-Fest seit Jahren stehenden Werte wie die internationale Solidarität und die “Utopie des Zusammenlebens” (Hans-Michael Krüger), bei der alle willkommen sind und eine gute Zeit miteinander teilen.

(Text: Anja Lutz, Foto: Manel Bedhief)