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Moka Efti Orchestra feat. Severija


Die Original-BigBand aus der Serie "Babylon Berlin" mit ihrem Debüt-Album


Präsentiert von: Rolling Stone und Living Concerts

Do, 28.04.22

60er-Jahre Halle

Rubrik: Livemusik

Einlass: 19 Uhr

Beginn: 20 Uhr

VVK: 34 Euro (zzgl. Gebühren)

Manchmal dreht sich die Welt auf eigenartige Weise. Dinge passieren, die man unmöglich vorhersehen kann. Als der Regisseur Tom Tykwer im Jahr 2016 den Musiker und Komponisten Nikko Weidemann bat, sich um die Szenen-Musik für die Serie “Babylon Berlin” zu kümmern, ahnte wohl keiner von beiden, dass daraus drei Jahre später ein eigenständiges Orchester gedeihen würde, dessen Debüt-Album “Erstausgabe” wie ein Knotenpunkt der populären Musik der letzten einhundert Jahre klingt. Und doch kam es so.

Zusammen mit dem Musiker-Komponisten Mario Kamien schrieb Weidemann das von “Moka Efti”-Musical-Director Sebastian Borkowski arrangierte “Zu Asche, Zu Staub”, das wie ein wild funkelndes Amalgam aus Kurt Weill und Frankie Goes To Hollywood klingt. Doch es passte nicht nur perfekt zu der Serie, sondern setzte auch gleich noch etwas ganz anderes in Gang. Denn die Brechung der Musik der 20er-Jahre, das Zulassen jedweder Einflüsse, erwies sich schnell als glückliche Fügung. Es war, als würden alle beteiligten Musiker einen Zaubertrank anrühren, der mit jeder Ingredienz immer eigenwilliger wurde, besser schmeckte und der immer schönere Auswirkungen hatte. Und so liegt jetzt eine “Erstausgabe” im wahrsten Sinne des Wortes vor. Welche Platte kann schon von sich behaupten, in einem 50-minütigen musikalischen Atemzug gleichzeitig Erinnerungen an Friedrich Hollaender, die Dexys Midnight Runners, deutschen Indie-Pop, Ry Cooder, Cab Calloway und Nick Cave wach werden zu lassen? Der Letztgenannte zum Beispiel scheint in der zweiten Single des Albums, “Snake”, Arm in Arm mit Frank Sinatra und Nina Simone durch das Lied zu schlendern, das erneut “Zu Asche”-Sängerin Severija intoniert.

Bereits die erste Auskopplung “Süße Lügen” trägt Höchste Eisenbahn-Sänger Moritz Krämer nonchalant aus dem Ballsaal rüber in das Café, wo die Indie-Slacker abhängen. Kein aalglatter Hans Albers steht hier in Pose vor den Musikern in Frack, sondern der Typ mit der Selbstgedrehten und dem Second-Hand-Nicki.

Das Moka Efti Orchestra ist Revue, aber nach eigenen Regeln. Musik aus einer untererzählten, geheimnisvollen Zeit. Für alle beteiligten Musiker war das eine Einladung, die sich keiner entgehen lassen wollte. Alle hatten schnell das Gefühl, mit den Liedern persönlich zu tun zu haben. Der große Bogen, der geschlagen wurde, bot jedem die Gelegenheit, seine ganz eigenen (pop-)musikalischen Erfahrungen in die Waagschale zu werfen. Wovon auch reichlich Gebrauch gemacht wurde. Sei es im Banjo-getriebenen “Frenzy”, in dem das Orchester klappert und röhrt, oder bei “Rainbow”, einem Song, der wie eine Leihgabe vom Elvis Costello-Burt Bacharach-Album “Painted From Memory” anmutet.

Dann wiederum reduziert sich das Orchestra auf einmal auf eine einsame Unterstützung für Sänger Roland Satterwhite im “Crocodile Blues”, der auch mühelos als Untermalung für Harry Dean Stantons Marsch durch die Wüste in “Paris, Texas” taugen würde. Und wollte einem jemand erzählen, das sei Stephan Sulke, der in der Mitte von “Tschuldigensemal” aus einem seiner 70er-Jahre Klassiker herauslugt, fiele es schwer, diese These zu widerlegen.

Natürlich landet das vielköpfige Orchester – satt ausgestattet mit feinsten Musikern – immer wieder bei dreigroschenopernhaften Passagen, Paul Lincke grüßt hier und da mit dem Hut, und Lieder wie “Lange Beene” sind schon qua ihres Titels tief im letzten Jahrhundert verwurzelt. Und doch merkt man allen Beteiligten an, dass sie Jahrzehnte an Erfahrung in allen möglichen und unmöglichen Musikstilen mit sich herumtragen und auf dieses Album streuen wie exotische Gewürze. Die vielleicht überraschendste Wendung in dieser Geschichte ist die Tatsache, dass das Herausholen aus der Nische, das Erweitern und Ausstaffieren der tief vergrabenen Musik und Kultur, so schnell und so euphorisch von einem sehr breit gefächert Publikum honoriert wird. Längst der Serie “Babylon Berlin” entwachsen, stapft das Moka Efti Orchestra munter durch die Welt und erzählt uns von dem, was auf der Erde in den letzten Jahrzehnten musikalisch geschah.

www.mokaeftiorchestra.com
Moka Efti Orchestra @ Facebook

Eine Veranstaltung von Living Concerts

Achtung: VVK nur über Living Concerts

(Fotos: Joachim Gern)

Achtung: Dieser Termin ist ein Ersatztermin für die im März und November 2020 sowie im Mai 2021 ausgefallene Veranstaltung. Tickets behalten ihre Gültigkeit oder können an den jeweiligen VVK-Stellen zurückgegeben werden.