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Respekt – Kitt der Gesellschaft?


Schülerinnen und Schüler der IGS Linden präsentieren die Ergebnisse ihrer Projektwoche


Di, 12.03.19

Warenannahme

Rubrik: Gesellschaft / Bühne

Einlass: 17:30 Uhr

Beginn: 18 Uhr

Eintritt: frei

In Goethes Drama “Faust” scheitert der Gelehrte an der Frage, “was die Welt im Innersten zusammenhält”. Vielleicht scheitert er auch deshalb in seinem Erkenntnisdrang, weil ihm ein respektvoller Umgang mit anderen wohl kaum zu unterstellen ist (auch wenn er überraschenderweise letztlich im “Himmel” landet).

In diesem Jahr gestaltet der 12. Jahrgang der IGS Linden in seiner Projektwoch das Thema “Respekt”. Die schon fast traditionelle Veranstaltung der IGS Linden in der Warenannahme der Faust lässt in diesem Jahr eine spannende Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit einem Thema erwarten, das gegenwärtig wieder stark im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. So trat etwa 2016 das Dresdner Bündnis “Was uns eint” in einem Aufruf an alle Demokratinnen und Demokraten für “Respekt, Akzeptanz und Menschlichkeit” ein. Aber nicht nur im Bereich “Politik” macht sich offensichtlich ein neuer Umgangston in der Gestalt von AFD oder Pegida breit, den man gleichwohl als den alten – nämlich faschistischen – bezeichnen könnte. Den Respekt gegenüber dem Fremden und anderen Kulturen – ein Selbstverständnis der IGS Linden – darf man von dieser Seite sicher nicht erwarten. Haben sich hier – wäre zu fragen – bereits ehemals als gesellschaftlich selbstverständlich geltenden Werte verschoben? Diese Frage lässt sich sicherlich auch auf andere Bereiche übertragen, denn in medialer Aufmerksamkeit mehren sich die Klagen über rücksichtsloses Verhalten im Autoverkehr oder in den Sozialen Medien, von Fußballfans oder von Kindern in der Schule, gegenüber Polizisten oder Rettungskräften, die statt Anerkennung Beleidigungen und Gewalt erfahren.

Das Thema “Respekt” bezieht sich also nicht nur auf das Verhalten gegenüber anderen, auf spezifische gesellschaftliche Bereiche und alltägliche Situationen, sondern auch auf Institutionen sowie Normen- und Wertvorstellungen. Damit ist zudem ein Miteinander angesprochen, dass auf den respektvollen und solidarischen Umgang mit älteren, unterprivilegierten oder benachteiligten Menschen oder auch auf religiöse Toleranz abzielt. Über das Verhältnis zum Gegenüber hinausgehend lässt sich zudem auch die subjektive Befindlichkeit thematisieren. Wie nämlich in einer Studie von 2012 festgehalten wurde, ist dieses Befinden vom Maß an Anerkennung und Wertschätzung aus dem sozialen Umfeld abhängig. Fügt man dem respektvollen Umgang mit Menschen noch den mit Tieren und Natur hinzu, ergibt sich ein “weites Feld”, das sich um das Thema “Respekt” rankt.

Und als wäre dieses “weite Feld” noch nicht ausgedehnt genug, ist die Verwendung des Begriffes durchaus als problematisch und ambivalent zu bezeichnen. Sieht man vom Verständnis der “soldatischen Ehrerbietung”, in das bestimmte gesellschaftliche Kreise pädagogisch oder politisch zurückkatapultiert werden wollen, ab, so ist die Ambivalenz im Begriff allein dem Sachverhalt zu entnehmen, dass in anderen Ländern (etwa USA und England) mit dem Begriff andere Konnotationen und Wertvorstellungen verbunden werden. Und sie ist etwa im wissenschaftlichen Bereich angelegt: Alle Wissenschaften sind mit der Bezugnahme auf ihre historische Entwicklung gleichzeitig auf Neuerung und Querdenken angelegt, das heißt darauf, keinen Respekt vor (wissenschaftlichen) Autoritäten zu haben. Dafür steht dann gleichsam eine ganze Generation: Der “Muff von 1000 Jahren” ist eben auch von den 68ern durch respektlose Provokation und Widerspruch gegen soziale Autoritätshörigkeit – zum Glück! – hinweggefegt worden.

Die Ambivalenz des Begriffes “Respekt” wird erst recht deutlich, wenn man die Fragen nach der Grenze zwischen respektvollem und respektlosem Verhalten stellt: Wo liegt diese und wer bestimmt sie? Inwieweit ist etwa jugendliches Verhalten nicht selbstverständlich mit Provokationen verbunden – und damit gleichzeitig mit neueren Verhaltensformen? Bilden sich neue gesellschaftliche Umgangsformen und -töne im alltäglichen Umgang heraus, sind sie überhaupt steuerbar oder entwickeln sie sich eigendynamisch (wenn sie erst einmal losgelassen sind)?

Gerade von der in vieler Hinsicht heterogenen Schülerschaft der IGS Linden ist hier einiges zu erwarten. In der Projektwoche des Seminarfachs gehen die Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs selbstbestimmt auf Erkundungstour zum diesjährigen Thema “Respekt”. Nach einer Einführungsphase in die Projektarbeit und die Thematik des Projektes erfolgt eine selbstgewählte, zum Beispiel filmische oder künstlerische Auseinandersetzung und Umsetzung der Projekt-Idee. Über alltägliches Verständnis und politische Inanspruchnahme hinaus dürfte gerade ein veränderter Begriff von Respekt in Zeiten der Globalisierung in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangen. Und wer sonst als die von solchen Entwicklungen betroffenen Schülerinnen und Schüler könnte darüber besser Auskunft geben? Heute präsentieren sie die besten Ergebnisse der Projektwoche in der Warenannahme des Kulturzentrums Faust. Eingeladen sind alle Freunde und Begleiter der IGS Linden und selbstverständlich alle am Thema Interessierten.