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Im Kampf gegen die Tyrannei


Vortrag von Lou Marin über gewaltfrei-revolutionäre Massenbewegungen in arabischen und islamischen Gesellschaften


Mi, 19.06.19

Der Nachbarin Café

Rubrik: Gesellschaft

Einlass: 18 Uhr

Beginn: 19 Uhr

Eintritt: frei

Die Kriege im Mittleren Osten und in der afrikanischen Sahelzone treffen vor allem Zivilistinnen und Zivilisten und zwingen Millionen Menschen zur Flucht. Viele Medien stellen als Handelnde nur die bewaffneten Militärs und Milizen dar, denen eine angeblich passive, ihnen ausgelieferte Bevölkerung gegenübersteht. Dieses Bild lässt zunehmend in Vergessenheit geraten, dass in den arabischen Aufständen 2011 Militärdiktaturen auf gewaltfreie Weise gestürzt oder ins Wanken gebracht worden sind. Jüngst sind jedoch in Algerien und im Sudan wieder gewaltfreie Massenbewegungen gegen Diktaturen aufgetreten, die an den arabischen Frühling von 2011 bis 2013 anknüpfen konnten.

Zwei dieser gewaltfreien Massenbewegungen der letzten Jahrzehnte sollen im Rahmen des heutigen Vortrages von Lou Marin (Marseille) vorgestellt werden, um über gewaltfreie Veränderungsperspektiven, ihre Chance und Grenzen. zu diskutieren.

Da ist zum einen die syrische gewaltfreie Massenbewegung der Jahre 2011 bis 2013, unter anderem die Aktionen von Frauen, die zu Beginn der Massenproteste eine besondere Rolle gespielt haben. Beschrieben werden die Freien Frauen Darayyas, das Mazaya-Frauenzentrum oder die in der arabischen Welt bekannte Schauspielerin Fadwa Suleiman, die mit den Mitteln der Kunst gegen die Tyrannei des al-Assad-Regimes kämpfte. Erinnert wird außerdem an den Einfluss des Anarchisten Omar Aziz auf die entstehende Rätebewegung in Stadtteilen und Regionen Syriens sowie an Jawdat Said, den wichtigsten Theoretiker der Syrischen Bewegung für Gewaltfreiheit.

Außerdem soll an die gewaltfreie Massenbewegung im Sudan von 1983 bis 1985 erinnert werden. Sie wurde wesentlich durch den Sufi, Antikolonialisten und libertären Interpreten des Koran, Mahmud Taha, und seine Organisation Republikanische Brüder geprägt. Ihr gelang es, die Militärdiktatur an-Numairis, der seine Tyrannei als säkular-“sozialistischer” Putschist in der Tradition der jungen Offiziere von Nasser bis Gaddafi begründete, aber später als Verbündeter der Muslimbrüder die Scharia einführte, entscheidend zu schwächen. Taha wurde als “Ketzer” verurteilt und 1985 hingerichtet. Er hatte ein Konzept für ein föderalistisches System entwickelt, das den Krieg zwischen Nord- und Südsudan entschärft und den späteren Massenmord in Darfur möglicherweise verhindert hätte.

Referent Lou Marin ist Mitherausgeber des Buches “Gewaltfrei-revolutionäre Massenbewegungen in arabischen und islamischen Gesellschaften: der zivile Widerstand in Syrien 2011-2013 und die 'Republikanischen Brüder' im Sudan 1983-1985”.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung Die ausgeblendete Vielfalt.