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Lemur


Der Herr von Grau-Mastermind auf Solo-Pfaden. Support: Marten Mc Fly (Rap aus Berlin)

Fr, 17.02.17

Mephisto

Rubrik: Livemusik

Einlass: 19 Uhr

Beginn: 20 Uhr

VVK: 12 Euro (zzgl. Gebühren)

AK: 15 Euro

Lemur, der Wahl-Berliner Rapper und Produzent, hat keinen Bock mehr aufs Menschsein. Mutiert zum Feuchtnasenaffen, redet er Klartext: Die Tiere haben Beef mit uns. Der Planet übrigens auch. Aber egal. Lasst uns feiern, bis es zu Ende geht, denn stigge-di-sterben tun wir sowieso alle irgendwann. Vielleicht ja schon morgen, denn bei Lemur hat der Tod Logen-Plätze.

Lemurs neues Album “Die Rache der Tiere” ist ein einziger Abgesang auf den Zustand unserer Gesellschaft. Seine menschliche Schlachteplatte startet ganz weit oben, in der Freiheit des Weltalls. Dann schmiert sie songweise ab, dringt tief ein in den Gemischtwarenladen des Lebens, um sich am Ende doch noch einmal in die Lüfte zu schwingen. Denn auch das ist Lemur: Hypersensibel bis bipolar schwankt er von einer glücklichen Phase in einen depressiven, misanthropischen Zustand und wieder zurück. “Auf dieser Platte ist das Gefühl des Aufbruchs in sehr vielen Songs ein Thema. Die Erkenntnis, nach allem Abgründigen, das ich erlebt habe, immer noch am Leben und ziemlich gesund zu sein, und außerdem das machen zu können, was ich liebe, hat viele Zweifel und Ängste besiegt.”

Ein Lemur muss tun, was ein Lemur tun muss. Und diese Lieder, sie müssen eben raus aus ihm. “Ich bin sehr getrieben. Schreiben und produzieren ist bei mir genauso lebenswichtig wie Essen, Schlafen und Stuhlgang, wobei der Schlaf oft hinter das Musizieren zurücktreten muss.” Er baut die besten Beats, wenn's ihm scheiße geht, rappt er in “Batterie”, und so bringen auch seine schlechtesten Gemütsphasen noch Positives hervor. Die Energie richtet er gegen alles, was ihn kaputtmacht – religiöse Konflikte, soziale Gleichschaltung, Online-Zeitverschwendung, der Kater am Montagmorgen. Doch am Ende geht die Sonne auf, auch wenn er sie gar nicht gleich erkennt, zu lange hat er sie schon nicht mehr gesehen.

Das Ergebnis: 100 Prozent Lemur. Eine musikalische Melange zwischen Boom Bap und Elektronik, wie gewohnt handgemacht, im Vergleich zum Vorgänger-Album “Geräusche” jedoch eingängiger, ohne an Abstraktionsmustern zu verlieren. Lemur flowt wie der Amazonas, kombiniert komplexe Textpatterns mit Melodie-Elementen und fesselt all seine Rap-Skills auf den selbstgebauten, adipös-wummernden Beats. Noch nie hat Sterben so viel Spaß gemacht.

Marten McFly ist ein musikalisch sehr experimentierfreudiger Rapper, der das kreative Chaos in seinem Kopf beherrscht und die Dinge durch einen prägnanten, glaubwürdigen Rap-Stil auf den Punkt bringt. Martens Texte sind bildlich, vielschichtig und angenehm humorvoll. Wo um mindestens eine Ecke herum das Pferd von hinten aufgezäumt und dennoch meisterhaft geritten wird, da ist Marten McFly am Mic. Zu extrem um die Ecke gedacht? Wie kommt man von “Ich muss Brötchen holen” zu “Du riechst nach Zuckerwatte, Zuckerpuppe”? Durch das Leben halt. Und das ist HipHop.

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