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Nachtschicht


Positionen der Wahrnehmung - Fotografien und Installationen von Alexander Braun, Kaj Nyborg, Doris Leuschner, Olav Raschke, Peter Dombrowe, Ralf Peters, Rolf Bier und Siegrun Appelt


Fr, 24.05.02 -

So, 30.06.02

Kunsthalle Faust

Nachtschicht reflektiert zunächst die Bedingungen der Wahrnehmung, die Eigenheiten des Mediums Fotografie – balanciert dabei zwischen konzeptueller, künstlerischer und dokumentarischer Fotografie – und spiegelt auf diese Weise die politische, gesellschaftliche Dimension des Mediums in seiner Verwendung. Darüber hinaus bezieht die Ausstellung mit Videoarbeiten und Installationen ergänzende Positionen zum Thema ein.

Nachtschicht bezeichnet den Zeitraum vom späten Abend bis zum frühen Morgen, den man am besten im Bett verbringen sollte. Dennoch sind die Menschen aufgrund der hochkomplexen Infrastruktur von Produktion und sozialer Fürsorge generell darauf angewiesen, dass manche von ihnen in dieser Zeit wach sind und arbeiten müssen.

Die Ausstellung versucht, diese spannungsvolle Periode des alltäglichen Lebens, die eigentlich dem Schlaf, der Stille und der Erholung gehört, anhand verschiedener künstlerischer Arbeiten in die unterschiedlichsten Bereiche auszuleuchten. Das Licht und das auf Licht reagierende Medium der Fotografie spielen eine ganz besondere Rolle und können Bilder der Nacht liefern. Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler thematisieren die Nacht auf unterschiedliche Weise als eine eigentümliche Periode der Aktivität.

Den Randbereichen von Schlaf und Tod wendet sich Alexander Braun (Dortmund) in verschiedenen Medien zu. Er schafft eine eigenwillige Gegenwelt von Schatten-Existenzen: Sie suchen bewußt die Sphäre und Aura des Dunklen und Verlorenen. Im Video und der begleitenden Foto-Serie “Endymion” (1999/2000), die sich auf den antiken Mythos des ewig schlafenden Jünglings bezieht, sehen wir eine mit Filzmaske und Bandagen entpersönlichte, ebenso hilflos wie unheimlich wirkende Figur: Ihre Existenz besteht ausschließlich darin, sich in diversen Hotelbetten immer wieder zum Schlafen zu legen.

Kaj Nyborg (Kopenhagen) untersucht in seinen mit Hausmodellen, nächtlichen Fotografien und Vorhängen arbeitenden Installationen akribisch die existenzielle Grenze von Interieur und Außenwelt. Der Raum des Hauses ist nicht nur nächtlicher Schutzraum für die Bewohner, sondern auch Objekt der Begierde für die, die das Haus von außen umschleichen.

Doris Leuschner (Hannover) inszeniert mittels einer Foto-Serie, die sie mit motivisch identischen Dias in einem abgedunkelten Hallenteil überblendet, eine spezifisch athmosphärische Raum-Licht-Situation. Unvorhergesehen wird der Betrachter und seine Silhouette zum Akteur eines nächtlichen Lichtbildraums.

Olav Raschkes (Hannover) Foto-Serie von heldenhaft inszenierten Selbst-Porträts mit durchschwitzten T-Shirts, die beim Jobben im Paketdienst der Post entstanden, bringt den sozial unterscheidenden Charakter von Arbeit auf den Punkt: Wer nachts arbeitet, ist sozial isoliert und von körperlicher Stigmatisierung bedroht.

Peter Dombrowe (Hamburg) spielt mit der Imagination von An- und Abwesenheit von Menschen an Orten der medialen Inszenierung. Seine Serie von kühl und distanziert fotografierten TV-Studios spiegelt die Ruhe vor dem Sturm allabendlicher Fernsehshows und zugleich deren unheimliche Zeitlosigkeit.

Seine Aufnahmen von Ansichten hell erleuchteter Tankstellen manipuliert Ralf Peters (Lüneburg) digital: So wie das Dunkel Informationen schluckt, entzieht er diese seinen Fotografien. Nur noch über Resterkennung von Farbwerten, ahnen wir, an welcher Tankstelle wir hier eigentlich halten. Die über und über mit Leuchtreklame bestückten Treffpunkte nächtlicher Autofahrer zeigen nämlich keine Labels, Slogans und Zahlen mehr.

Eine zweiteilige Lagerfeuer-Skulptur errichtet Rolf Bier (Hannover/Berlin) aus überdimensionalen Streichhölzern: Die Brenn- und Wärmewerte der beiden unterschiedlich großen Stapel sind ebenso unterschiedlich wie ihre unterschiedliche Fähigkeit und Dauer, mit Licht einen Ort der Orientierung zu schaffen.

Jemand, der nicht schlafen kann, macht einen nächtlichen Spaziergang durch einen Berliner Kiez: In der Videoprojektion von Siegrun Appelt (Wien) wird die Kamera zum sehenden und hörenden Sensorium, gleichgeschaltet mit dem Rhythmus der sich vortastenden, ebenso neugierigen wie ängstlichen Nachtwandlerin.

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler:
Siegrun Appelt (Wien), Rolf Bier (Hannover/Berlin), Alexander Braun (Dortmund), Peter Dombrowe (Hamburg), Doris Leuschner (Hannover), Ralf Peters (Lüneburg), Kaj Nyborg (Kopenhagen) und Olav Raschke (Hannover)

Kuratoren: Rolf Bier, Olav Raschke, Harro Schmidt

Nachtschicht
Ausstellungsdauer: Freitag, 24. Mai 2002 bis Sonntag, 30. Juni 2002

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Harro Schmidt
Zur Bettfedernfabrik 3
30451 Hannover

Tel. 0511 / 213 48 60
Email: kunsthalle@kulturzentrum-faust.de

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