Musikalisch hat Düsseldorf, das London am Rein, Ende der 1970er-Jahre alles richtig verstanden und alles richtig gemacht. Keine andere bundesdeutsche Stadt – inklusive West-Berlin – hatte eine derart heiße Musikszene zu bieten, als Punk der Dorfmusik ein Ende machte: DAF, Der Plan, Z.K., Stunde X und – monolithengleich: Fehlfarben!
Zum Artikel QuickviewEntstanden 1979 aus den Düsseldorfer Bands Mittagspause, Charley’s Girls, DAF und Der Plan fanden Peter Hein, Thomas Schwebel, Frank Fenstermacher, Michael Kemner, Uwe Bauer und Markus Oehlen als “regionale Supergruppe” Fehlfarben zusammen. Als anderswo der Punk zur puren Lautstärke-Leistungsshow verkam, gingen Fehlfarben einen entscheidenden Schritt weiter und bauten aus verschiedensten Versatzstücken den bis heute unverkennbaren, typischen Fehlfarben-Sound: Harter Rock, gepaart mit Two-Tone und – ein Wagnis zu dieser Zeit – Disco. Kurzum: Fehlfarben schafften etwas Ur-Eigenes und kümmerten sich einen feuchten Kehricht um vorgegebene Regeln und Formen. Und genau diese Haltung, dieser Mut und diese Lässigkeit sind es, die dafür sorgen, dass die Band auch ein paar Jahrzehnte später immer noch zu den besten und relevantesten deutschsprachigen Acts gehört. Dass Fehlfarben textlich mit ihrem überaus treffsicheren Sänger Peter Hein sowieso in ihrer ganz eigenen Liga boxen, ist eine andere Geschichte… Großartig und längst Kult. Nachzuhören nicht zuletzt auch wieder auf ihrem brandneuen Album “Glücksmaschinen”.
Als Die Radierer 1980 auf dem frisch gegründeten ZickZack-Label ihre erste Single “Angriff aufs Schlaraffenland” veröffentlichten, klang das wie Devo mit einem krakeelenden Sänger. Texter Christian Bodenstein und der musikalische Direktor Jürgen Beuth betrieben die Dekonstruktion des Mythos Rock wie eine Mischung aus Konzeptkunst-Inszenierung und Sandkastenspiel: Das Ergebnis war ein bisweilen auf Kinder-Instrumenten gespielter Postpunk, dessen Humor immer auch etwas Tabubrecherisches besaß. 2008 gelang mit dem Album “Der Andalusische Bär” ein grandioses Comeback voller mitreißender Melodien, bizarrer Comic-Fantasien und hemmungsloser Experimentierfreude.
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