Kapitel 2 Weg 4 – Samuel

Samuels Mutter Anna war heute wieder sehr früh zur Arbeit in die Bäckerei gegangen.
Samuel selbst war ebenfalls von den Polizeisirenen aufgewacht. Jetzt packte er seine Tasche, doch freuen konnte er sich nicht wirklich auf die Schule. Mama verstand ihn nicht und er wollte es ihr sowieso nicht erzählen, weil sie heute Morgen ohnehin wegen irgendeiner Sache mit Onkel Denis gestresst war. Er konnte ihr nicht sagen, dass die anderen Schüler ihn wegen seiner alten Klamotten und seines hörbaren polnischen Akzents schlecht behandelten. Dass er Angst hatte, in die Schule zu gehen.
Sie sagten ihm, wenn er es einem Lehrer erzählen würde, würden sie ihn kaputtschlagen. Doch sie wussten nicht, unter welchen Schwierigkeiten Samuels Mutter versuchte, als alleinerziehende Mutter ihren Sohn zu ernähren und dass sie jeden Morgen vor 5 Uhr aufstand, um pünktlich in der Bäckerei zu sein. Dass sie sogar bereit war an Feiertagen zu arbeiten, nur damit sie genug Geld hatten, mit dem sie zum Teil auch noch ihre Eltern in Polen unterstützte.
Trotz all dieser Umstände hatte sie immer ein Lächeln auf den Lippen und empfing jeden Kunden herzlich. Er wusste, würde er es seiner Mutter erzählen, würde dies sie nur noch trauriger machen, und sie würde die Schuld bei sich suchen. Deshalb beschloss er, erst einmal nichts zu sagen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen.