Kapitel 8 Weg 3211111 – Unsicherheiten

Nervös blickte Paolo am Haus in der Kochstraße hoch. Ein klassisches Arbeiterhaus in Linden-Nord, mit einem großen Hoftor zum Innenhof. In welchem Stock Fatma wohl wohnte? Gestern Abend hatte sie ihm über WhatsApp geschrieben. „Ich möchte mit Dir reden.“ Mit vor Aufregung zitternden Fingern hatte er geantwortet: „Wann und wo?“ „Morgen Abend um 19 Uhr? Ich wohne in der Kochstraße 17.“ Oh Gott! Zu ihr nach Hause… Und die Eltern? Und ihr großer Bruder? Am liebsten hätte er einen anderen Treffpunkt vorgeschlagen, sich aber dann nicht getraut. Fatma sollte schließlich nicht denken, dass er ein Weichei war.

Trotzdem klopfte ihm das Herz bis zum Hals, als er zehn Minuten zu früh vor ihrer Haustür stand – und nicht nur deswegen, weil er sich so darauf freute, sie wiederzusehen. Über ihm öffnete sich ein Fenster. „Hey Paolo – willst Du da unten Wurzeln schlagen oder hochkommen?“ Fatma lehnte auf einem Fensterbrett im zweiten Stock und schien spöttisch zu lächeln. Sie verschwand wieder und kurz darauf summte der Türöffner. Paolo fasste sich ein Herz und trat ins Treppenhaus.

Fatma stand in der Wohnungstür und wartete auf ihn – in Jogginghose und XXL-Shirt. Trotzdem fand er sie atemberaubend… natural beauty! Sobald er eintrat, rutschte ihm das Herz allerdings sofort wieder in die Hose. Von weiter hinten hörte er Stimmen und Fernsehgeräusche. „Soll… soll ich mich Deinen Eltern vorstellen?“ Sie sah ihn erstaunt an. „Wenn Du willst.“ Fatma ging voran ins Wohnzimmer, wo ein Mann, eine Frau und ein kleiner Junge lachend vor dem Fernseher saßen. „Mama, Papa, das ist Paolo.“ Ihre Eltern wirkten ebenso erstaunt wie Fatma zuvor. „Hallo Paolo, ich bin Berivan und das sind Cetin und Elyas,“ sagte die Mutter schließlich lächelnd. „Braucht Ihr irgendetwas?! „Nein,“, antwortete Fatma mit spöttischem Unterton, „Paolo wollte sich Euch nur vorstellen.“ Eine kurze Pause entstand, die Elyas, der ungefähr acht Jahre alt sein mochte, mit einem „Spielt Ihr was auf Deiner Playstation?“ unterbrach. „Nee, Zwergi, Pech gehabt“, antwortete Fatma und zog Paolo mit sich.

„Mein Zimmer ist hier.“ Paolo trat ein und blickte sich um. Bis auf einige etwas düstere Kreidezeichnungen an den Wänden ein ganz normales Zimmer. Schrank, Bett, Schreibtisch, Fernseher, ein bequemes Sofa. „Soll ich die Tür einen Spalt offenlassen?“
Fatmas ohnehin schon große Augen weiteten sich. „Sag mal, bist Du eigentlich immer so dämlich oder nur bei mir?“