Kapitel 6 Weg 32111 – Ratschläge

Paolo blieb ratlos zurück. Was hatte er falsch gemacht? Der Abend hatte so toll begonnen und er hatte das Gefühl gehabt, dass Fatma, genau wie er selbst, ihr Zusammensein genoss. Aber warum war sie so plötzlich gegangen? Und dieser Blick in ihren Augen – Traurigkeit und eine Spur von Enttäuschung. Alles war so gut gelaufen, bis dieser Nihal dazwischenplatzte. War das ihr großer Bruder? Er hatte sie beide richtiggehend observiert und wollte Fatma unbedingt nach Hause bringen.

„Alter, was geht?“ Enriques polternder Bass riss Paolo aus seinen Gedanken. „Ganz allein unterwegs? Das kenn ich gar nicht von Dir.“ „War auch anders geplant, aber mein Date ist mir irgendwie abhanden gekommen.“ Sein Freund klopfte ihm auf die Schulter und sagte leicht spöttisch: „Das kann dem besten Womanizer passieren. Noch einen Wein?“ Dankend nahm Paolo an. Sie prosteten sich zu, dann bohrte Enrique weiter: „Wer war es denn? Cinderella? Dann musste sie den Ball aber früh verlassen, ist ja noch gar nicht Mitternacht.“ „Haha, sehr witzig.“ Langsam war Paolo echt genervt.

„Hey, was hast Du denn?“ Paolo dachte kurz nach. „Ich weiß es nicht. Ich habe mich mit einem türkischen Mädchen getroffen, Fatma, total süß. Lief auch alles prima, aber dann kam dieser Typ vorbei, Nihal oder so, und sie ist sofort weg.“ Enrique riss die Augen auf. „Mensch, das war bestimmt ihr größerer Bruder. Pass bloß auf, dass Du seiner Schwester nicht an die Ehre gehst, sonst kriegst Du richtig Stress!“

„Aber was soll ich denn jetzt machen? Ich würde sie gerne wiedersehen!“ „Vergiss es, das gibt nur Ärger. Willst Du, dass ihre ganze Verwandtschaft bei Dir vor der Tür steht? Nee, echt, die haben eine ganz andere Mentalität, das kann nicht gut gehen.“ Noch ein Schulterklopfen, gefolgt von „Andere Mütter haben auch schöne Töchter!“ Paolo schwieg. Wahrscheinlich hatte Enrique recht – aber er wollte Fatma trotzdem wiedersehen.