Kapitel 5 Weg 3211 – Trennung

In einer Tanzpause steuern Fatma und Paolo zur Bar. „Möchtest Du Wein, oder wollen wir einen Sekt trinken?“ „Danke, nur ein Wasser.“ Er sieht sie aufmerksam an. „Darfst Du nichts trinken wegen Deiner Religion?“ „Du meinst, weil ich Muslima sein könnte? Nein, das hat nichts mit Religion zu tun. Ich bin einfach nur durstig.“

Sie nippt an ihrem Wasser, und sieht nachdenklich auf sein Glas mit blutrotem Wein. Er betrachtet ihre klaren Gesichtszüge, sucht den Blick ihrer fast schwarzen Augen, streicht sanft über ihre Wange. „Gefällt es Dir?“ „Ja… Tanzen ist wirklich wie Poesie, nur dass man dafür keine Worte braucht.“ Paolo beugt sich zu ihr hinab, doch in dem Moment erklingt eine Stimme hinter ihnen: „Fatma, was machst Du denn hier?“ Ein kräftiger junger Mann mit schwarzem Wuschelkopf, die Hände in die Hüften gestemmt, betrachtet die beiden aufmerksam. Fatma bemerkt, wie Paolo neben ihr einen Schritt zurückweicht. „Hey Nihal! Tanzen, natürlich.“ „Sieht aber gerade eher nach Trinken aus.“ „Und Du?“ „Nur mal schauen, wer so da ist. Hab allerdings nicht damit gerechnet, Dich hier zu treffen.“ „Ich bin auch zum ersten Mal hier.“ „Soll ich Dich nach Hause bringen?“ Sie lächelt, wendet sich zu Paolo um, „Danke, aber ich bin ja nicht allein hier. Das ist Paolo.“ „Nihal.“ „Hi“, kommt es zögerlich von Paolo, der sich nicht wohl zu fühlen scheint. „Na, dann will ich nicht weiter stören.“ Ein kurzes Winken, dann ist Nihal verschwunden.

Täuscht sich Fatma, oder wirkt Paolo erleichtert? „Wollen wir wieder tanzen?“ Fatma stellt ihr leeres Glas ab. „Nein, ich mache mich jetzt mal auf den Heimweg.“ Der Zauber der letzten Stunde scheint verflogen. Sie dreht sich um, doch er hält sie am Arm fest. „Was ist denn los?“ Bedauernd sieht sie ihn an, streift seine Hand ab und geht zum Ausgang.