Kapitel 4 Weg 321 – Tangoschule

Etwas schüchtern betrat Fatma, Paolos Hand fest umklammernd, die Tanzschule. Nie zuvor hatte sie auch nur ansatzweise überlegt, Tango tanzen zu lernen. Im Übrigen war Tanzen eh nicht so ihr Ding. „Keine Angst“, sagte Paolo „ich führe dich, mach dir keine Sorgen“. Fatma blickte um sich, die Pärchen um sie herum wirkten nicht, als wären sie Anfänger. Es schien, als kämen sie aus aller Welt. Auch ein homosexuelles Paar war unter ihnen. „Typisch Linden“, dachte sie, und fühlte sich gleich ein wenig wohler. Sie liebte die Diversität in diesem Stadtteil. Plötzlich ertönten die ersten Klänge. Die Paare legten die Arme umeinander und pressten ihre Körper fester aneinander. Auch Paolo drückte ihr Becken sanft gegen seines und begann, sich rhythmisch zu bewegen. Fatma kam sich steif vor und wusste nicht so recht, was sie tun sollte. „Vertrau mir“, flüsterte ihr Date. „Lass dich von mir führen.“ „Mann, dieser spanische Akzent klingt wirklich verführerisch“, dachte sie und ihr wurde heiß und kalt. Schließlich war ihr Paolo ja eigentlich noch fremd, aber irgendwie doch so vertraut. Eng lagen ihre Hüften aneinander.
Als der Rhythmus und auch die Bewegungen schneller wurden, stieß Paolo sie plötzlich von sich, hielt sie aber noch an einer Hand fest und zog sie wieder zurück, drehte sie. Fatma taumelte etwas benommen und trat der Frau neben ihr auf die Füße, versuchte, sich zu entschuldigen und hatte wieder Paolos schönes Gesicht vor sich. Dieser lachte: „Mach dich locker, Tanzen ist die Sprache der Leidenschaft und die Poesie des Körpers. Fühl die Musik und schließ deine Augen.“