Kapitel 8 Weg 3111111 – Zuhause

Am frühen Abend rief Frau Frankiewicz an und bat Dennis, am kommenden Tag mit Amelie zu Kaffee bei ihr vorbeizukommen. Sie wolle etwas mit ihnen besprechen. Obwohl Dennis nicht ganz klar war, um was es eigentlich ging, sagte er zu und rief dann noch kurz bei Amelie an, um ihr Bescheid zu geben. „Wir haben hier gerade WG-Krisensitzung. Mareike kann sich die Mieterhöhung auf keinen Fall leisten, sie hat ja auch keinen Job mehr, seitdem die Sparkassenfiliale vorne an der Limmerstraße dicht gemacht hat. Und Johannes könnte das zwar bezahlen, hat aber keinen Bock, die Gentrifizierung im Stadtteil finanziell zu unterstützen.“ „Kommst Du morgen trotzdem mit zu Frau Frankiewicz?“ „Hm, eigentlich wollte ich morgen zu Papa, aber so kann ich das noch etwas vor mir herschieben… wann sollen wir denn da sein?“ „15 Uhr natürlich, alte Schule eben.“ „Okay, dann bin ich kurz vorher bei Dir.“

Am kommenden Tag klingelten die beiden an Frau Frankiewicz Wohnungstür, Amelie mit einem kleinen Frühlingsstrauß in der Hand. Die alte Dame öffnete lächelnd, bedankte sich für die Blumen und führte die beiden zum Kaffeetisch. Nachdem eine Vase gefunden war, kam Frau Frankiewicz gleich zur Sache: „Dennis weiß ja, dass das hier mein Haus ist, ich habe es noch von meinen Eltern geerbt. Weil mein Mann und ich keine Kinder hatten, wird es später in die Hände einer Stiftung übergehen, wobei alle Mieter sozusagen Bestandsrecht haben, die Stiftung kann das Haus nicht weiterverkaufen, sondern verwaltet es sozusagen treuhänderisch. Na, ganz so weit ist es ja noch nicht, schließlich sehe ich die Blumen noch nicht von unten wachsen.“ Lächelnd deutete sie auf Amelies Strauß.

„Aber ich muss gestehen, dass ich darüber nachgedacht habe, eine Hausverwaltung zu engagieren, mir wird das alles zu viel, und es ist gar nicht so einfach, Handwerker zu bekommen, die spontan tätig werden, wenn mal etwas defekt ist. Außerdem wird mir meine Wohnung auch langsam zu groß, was soll ich alleine mit fünf Zimmern?“ Dennis nutzte eine kurze Atempause und warf ein: „Frau Frankiewicz, Sie wissen doch, dass ich Ihnen immer sehr gerne helfe, Sie müssen mir einfach nur Bescheid geben!“

„Das sollst Du ja auch, mein Junge, und zwar noch mehr als bisher. Du bist doch handwerklich geschickt und ich wollte Dir anbieten, Dich fest als Hausmeister anzustellen. Auf Dich kann ich mich verlassen und wenn Du mal Kopfweh hast, musst Du Dich nicht krankmelden. Und zur Wohnsituation“, sie wandte sich Amelie zu, „wenn Ihr drei auch in einer WG mit Dennis wohnen wolltet, könnten wir einfach die Wohnungen tauschen. Mir reichen zweieinhalb Zimmer völlig und Ihr könntet alle hier im Haus und in Linden bleiben.“

Beide starrten die alte Dame mit großen Augen an. „Das würden Sie wirklich für uns tun? Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll“, stammelte Dennis. „Ach, papperlapapp! Das ist reiner Eigennutz, bzw. eine Win-win-Situation, wie man heute so sagt. Ich lebe schon so lange in Linden, und auch,wenn sich Dinge ändern, finde ich immer noch, dass das hier ein besonderer Stadtteil ist. Früher haben die Menschen hier zusammengehalten, und das können sie heute auch noch. Ich habe immer sehr viel Wert darauf gelegt, dieses Haus unter sozialen Gesichtspunkten zu vermieten. Familien, junge Menschen … wahrscheinlich sollte ich auch mehr auf Leute mit Migrationshintergrund achten. Wie dem auch sei, Ihr sucht ein neues bezahlbares Zuhause bzw. Arbeit“, sie blickt von Amelie zu Dennis, „und ich möchte mit Menschen in einem Haus leben, auf die ich mich verlassen kann und die bereit sind, auch etwas für andere zu tun. Also, von mir aus können wir das gerne so machen, wie ich es vorgeschlagen habe.“

Lächelnd blickte sie die beiden an und fügte mich leichtem Zwinkern hinzu: „Und außerdem: Für wen soll ich denn sonst Kuchen backen?“