Kapitel 7 Weg 311111 – Sorgen

Als er ihr die Tür öffnete, fiel Amelie Dennis schluchzend um den Hals. „Hey, was ist denn passiert? Mit Mathias alles okay?“ Dennis kannte Amelies Vater gut, sie waren einige Male zusammen Kanu gefahren und er hatte die Laube in dessen Schrebergarten neu verkleidet. „Wieso sollte denn was mit Papa sein?“, schniefte Amelie. „Wobei, wenn er hört, dass wir bald viel mehr Miete zahlen müssen, geht es ihm wahrscheinlich wirklich nicht mehr gut.“

„Jetzt mal langsam, setz Dich hin und schieß los.“ Er schob Amelie in Richtung Küche, doch bevor sie den Mund aufmachen konnte, schellte es erneut an der Tür. Frau Frankiewicz, leicht schnaufend auf ihren Gehstock gelehnt, hielt Dennis einen Teller mit duftendem Zuckerkuchen unter die Nase. „Ich dachte, ich lade mich mal bei Dir zum Kaffee ein, mein Junge. Warst ja diese Woche noch gar nicht bei mir.“ Es war zwar erst Montag, aber theoretisch hatte sie natürlich recht. Durch die offene Küchentür erspähte sie Amelie. „Ach, Du hast Besuch, dann will ich aber nicht stören!“ „Das macht überhaupt nichts, Frau Frankiewicz, ich wollte ohnehin gerade einen Kaffee aufsetzen. Das mit meine Freundin Amelie – Amelie, das ist Frau Frankiewicz, ich hab Dir ja schon von ihr erzählt.“ „Hoffentlich nur Gutes“, zwinkerte die alte Dame Amelie zu.

Als sie deren rotgeweinte Augen bemerkte, wurde sie sofort ernst. „Was ist denn los, mein Mädchen? Hast Du Kummer?“, woraufhin Amelie erneut in Tränen ausbrach. Dann sprudelte es nur so aus ihr heraus, die Mieterhöhung, dass sie ihren Vater nicht um mehr Geld bitten wolle und was für Halsabschneider die neuen Vermieter seien. Frau Frankiewicz schob den Teller mit dem Zuckerkuchen zu ihr herüber und hörte ruhig zu. Sie unterbrach nur kurz, als Amelie mit Galgenhumor bemerkte, dass sie und Dennis dann ja gemeinsam ein Lager unter der Dornröschenbrücke aufschlagen könnten. „Wieso, will Dennis denn hier ausziehen?“ Unauffällig versuchte Dennis Amelie zum Schweigen zu bringen, aber dazu war es natürlich bereits zu spät. Also erzählte er, dass er sich die Wohnung nicht mehr lange würde leisten können.

Nachdenklich schaute Frau Frankiewicz die beiden an. „Esst was, Kinder. Ihr braucht Nervennahrung und ich muss mir das erstmal durch den Kopf gehen lassen und telefonieren.“ Schwerfällig stand sie auf. „Ich melde mich bei Dir, Dennis.“ Und weg war sie.