Kapitel 2 Weg 3 – Fatma

Heute gab es mal wieder Lärm in der Nachbarschaft. Fatma, ein Mädchen das im selben Haus wie Maja und Malte lebte, hatte gehofft, dass die Party am Freitagabend nicht wieder so laut werden würde, doch sie hatte sich geirrt. Es war nicht so, dass sie komplett gegen Partys war, nur konnte sie nicht verstehen, wieso sich die Leute nicht einfach ruhig amüsieren konnten. Wieso mussten sie den ganzen Lärm auf die Straße tragen und alle Nachbarn damit nerven? Fatma war Türkin und auch in ihrem Kulturkreis gab es Partys, doch diese unterschieden sich gewaltig von denen, die fast jeden Tag in ihrer Nachbarschaft stattfanden.

Die Partys in ihrem Kulturkreis waren eher weniger von Alkohol geprägt. Es wurde viel mehr traditionell getanzt und gesungen. Doch damit Ihr das nicht falsch versteht: Fatma war nicht der Typ von Mädchen, der seine Zeit nur mit Leuten aus demselben Kulturkreis verbrachte. Ganz im Gegenteil, Fatma war ein sehr neugieriges und interessiertes Mädchen. Deshalb besuchte sie schon seit langer Zeit den Verein gEMiDe. Dieser gab ihr die Möglichkeit, andere Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern kennenzulernen. Dort hatte sie zum Beispiel letzte Woche Mustafa getroffen.

Mustafa war ein Neuzuwanderer, dem sie bei der Arbeitssuche und beim Deutschlernen half. Zuerst beteiligte sie sich nur an der Frauengruppe, wo sie älteren Damen die deutsche Sprache und Kultur näherbrachte, doch später fing sie an, auch die Neuzuwanderern beim Deutschlernen zu unterstützen. Mustafa war zu einem ihrer Schüler und vor allem auch zu einem ihrer Freunde geworden.
Sie war froh, dass ihr Vater sie als Mitglied des Vereins von klein auf mitgenommen hatte. Es gibt immer diese Vorurteile gegenüber Türken, dass sie wohl kein Deutsch sprechen können, aber Fatma war das perfekte Beispiel dafür, dass dieses Vorurteil nicht zutraf. Sie setzte sich dagegen ein und Linden, ein Stadtteil, der für seine kulturelle Vielfalt bekannt ist, war der perfekte Ort dafür.